Interview by Raphael Marxer

Wie bist du zum Skaten gekommen?

Ich habe schon so als Achtjähriger ein bisschen auf dem Board rumgespielt, auf den Knien und so. Das zähle ich jetzt mal nicht dazu. So mit 12 habe ich angefangen zu skaten, etwa für 2 Jahre. Ich hab mich dann von meinen Mitschülern mitziehen lassen, Seich machen, kiffen, was Jugendliche halt so tun. Etwa mit 14 habe ich ein Jahr Pause gemacht. Hatte nicht mehr wirklich Lust auf Skaten. Nach einem Jahr habe ich aber mein Board wiedermal hervorgeholt und seither bin ich ohne Pause fast tagtäglich am Skaten. Ausser wenn ich mal verletzt war.

Lustig, dass das bei vielen so ähnlich ist.

Ja, ich habe dann auch aufgehört Fussball zu spielen wegen dem Skaten.

Ja ich auch…

Da hast du deinen Trainer… Alter, dann mach ich halt noch 20 Liegestütz für dich. Weisch? Dann fand ich einfach komm, ich geh skaten wann ich skaten gehen will. Und ich will eh mehr skaten als irgendwie vier Mal in der Woche um die gleiche Zeit ins Training gehen. Die bekannte Story…

wenn’s pisst ging ich halt in eine Tiefgarage – irgendeinen trocknen Fleck finden und skaten

Was machst du ausser skaten noch so?

Hmm, wo soll ich da anfangen? Ich habe im Rolling Rock die Lehre als Verkäufer gemacht und bin da halt irgendwie durchgeschliffen. Hat mich nicht sehr interessiert aber ich wusste halt, ich muss etwas tun… Ah nein (lacht) stimmt gar nicht, scheisse jetzt hab ich Seich erzählt. Ich hab eigentlich eine FaGe Lehre angefangen, bevor ich gemerkt habe, dass das nichts wird, die ganze Zeit im Krankenhaus und mit beschissenen Arbeitszeiten. Dann habe ich nach einem Jahr abgebrochen und habe Simon, den Chef vom Rolling Rock angefragt, da ich ihn vom Skaten her kannte und her hat gemeint „ok, dann fängst du bei uns die Lehre an.“ Da hab ich mich dann eben durchgeschlängelt. Schwierig wars ja nicht, aber ich hatte halt kein Bock auf Schule – Dazumal hatte ich nur, wirklich nur Skaten im Kopf. Nach dem Abschluss habe ich etwas Temporär gearbeitet, Gartenbau und so Zeug. Wenn man das nicht gelernt hat, verdient man halt fast nichts. Nach einem halben Jahr im Lager bei der Migros, mit einer Chefin die immer mehr mehr und mehr wollte, dachte ich, ich muss was finden, das mir wirklich gefällt. Eine gute Freundin von mir ist Kindererzieherin. Die hat mir gesagt, dass bei ihnen noch ein Studienplatz frei wäre. Da ich im Rolling Rock schon viele Skatekurse gegeben hatte wusste ich, dass mir die Arbeit mit Kindern mega Spass macht, also habe ich mich da beworben, bei der Migros gekündet und habe jetzt die HF [Höhere Fachschule] Stelle im Herbstsemester 17 begonnen.

Ich gehe nicht so gerne in die Halle skaten und draussen ist’s halt kalt. Ich bin auch nicht mehr so, so, soo ambitioniert, dass ich bei Minusgrad einen trockenen Fleck suchen muss. Jetzt mache ich viel Musik, halt gerade im Winter. Was braucht noch so Zeit? Ich habe eine Freundin, mit der ich gerne Zeit verbringe. So das.

Bist du auch allgemein nicht mehr so ambitioniert was Streeten und Filmen betrifft?

Doch, also im Sommer sicher wieder. Es ist einfach so, dass ich früher bei jedem Scheisswetter – wenn’s pisst ging ich halt in eine Tiefgarage – irgendeinen trocknen Fleck finden und skaten wollte. Heute denke ich mir halt eher „komm dann machst du Sound oder unternimmst was mit der Lady.“

Aber sobald es wieder wärmer ist sowieso wieder streeten und filmen.

Filmt ihr viel?

Ja eh, im Sommer immer. Wir haben mega Glück dass wir Sqibi [Shqipron Bobaj] haben. Er filmt seit eh und je gern. Früher hat er auch viel geskatet – Sqibi ist eigentlich viel zu gut. Boardcontrol, das glaubst du nicht. Läck du mir. Der hat auch mit etwa 5 Jahren angefangen zu skaten – jetzt eher ein bisschen weniger, dafür filmt er noch mehr. Eine Kamera hat er halt auch schon ewig. Das ist echt super mit ihm.

Ihr bringt ja immer wieder Colour Group Videos heraus. Hast du auch schon eigene Projekte gemacht?

Alleine habe ich glaub ich noch nie… jetzt muss ich schauen dass ich kein Seich erzähle… Nein ich hatte meine Parts immer in Videos. Es pusht mich auch mehr zusammen skaten zu gehen und zu wissen dass wir bis dann und dann zusammen filmen wollen.

Mit dem Colour Group Team haben wir etwa 10 – 12 Leute.

Wie ist Aarau so als Skate-Stadt?

Aarau ist zwar recht klein, aber es gibt echt viele Skater. Auch Street-Spots, wow. Für die Grösse der Stadt haben wir unglaublich viele verschiedene Spots. Auch wenn sie für uns langsam langweilig werden. Mich nervt’s manchmal fast schon ein wenig immer in Aarau. Eigentlich liebe ich Aarau und seine vielen Spots, aber manchmal würde man halt auch gerne etwas anderes fahren. Ist aber super.

Wer oder was hat dein Skaten früher am meisten Beeinflusst?

Naja als ich angefangen habe zu skaten, habe ich nie wirklich Videos geschaut. Meine Oberstufen Schule war direkt neben unserem Skatepark, Schachen Skatepark. An dem bin ich immer vorbeigefahren. Ich nehme an das hat mich schon geprägt. Zu dieser Zeit waren da immer viele aus der älteren Generation am Skaten und ich habs einfach geil gefunden da zuzuschauen. Mega wichtig waren auch meine 2 Freunde aus meiner Klasse, die im gleichen Quartier wohnten und gleichzeitig angefangen haben zu skaten wie ich. Wir waren dann so ein Dreier-Grüppchen aus motivierten Homies, skateten, gingen zusammen in den Schachen Park… So hat sich das alles ergeben und jetzt ist’s einfach Liebe! Jetzt will ich einfach skaten.

Baggy-Style, Hip-Hop, mega technisch, das hat mir echt gefallen

Was, wenn überhaupt, schaust du dir heute gerne für Videos an?

Also später fing ich natürlich schon an Videos zu schauen, nur ganz am Anfang noch nicht. Ich mochte schon immer eher technisches Skaten. Wenn ich zum Beispiel einen Bowl Part schaue, in dem drei Minuten nur Bowl vorkommt, das bewundere ich mega, ich kann’s überhaupt nicht, aber ich finde es nicht so interessant, wie Lines und so. Ich bin auch nicht einer, der sagen kann „shit ich habe dieses Girl Video rauf und runter geschaut“ oder so. Ein paar Kollegen konnten dieses oder jenes Video in und auswendig, aber ich war voll nie so. Ich habe mir mal ein Playboard oder Kingpin Mag gekauft. Da war eine DVD von Sweet Skateboards drin, das habe ich dann geschaut.

Also fing das bei dir noch vor Youtube und Instagram an

Ääähm ja grad so mit Youtube. Genau, Raul Navarro, das war der erste Pro den ich so gekannt habe, auch von Youtube. Oder nein, eben aus so einer CD aus einem Mag. Da waren ein paar Parts drauf und seiner hat mich am meisten geflasht. Halt Baggy-Style, Hip-Hop, mega technisch, das hat mir echt gefallen. Raul Navarro. Hero. Wirklich, ich bin nicht so ein Board-Collector, auch wenn ich gern würde, aber ein Board habe ich zuhause an der Wand hängen, das ist ein Raul Navarro Board. Das habe ich im FTC in Barca gekauft. Weil das ist The Man.

Bleibst du auch heute eher bei den alten Sachen oder verfolgst du jeden Insta-Trend?

Mir ist‘s eigentlich egal. Von mir aus gesehen kommt es nicht so sehr drauf an was man macht, sondern wie man es macht. Du kannst einen 720Flip im Flat machen, der irgendwie hingewurstelt wird oder einen gepopten, gecatchten Kickflip und ich finde den Kickflip 10 mal geiler. Nicht, dass ich die Person, die den 720Flip macht, nicht dafür bewundern würde, aber ein schöner Kickflip entspricht mir viel mehr.

Das gilt auch für das ganze trendy Zeug, das auf Insta gerade voll abgeht. So Body Varials.

Body Varials und Trainerhosen

Ja gut hahah Trainerhosen seit eh und je! Nein aber ich finde Trainerhosen einfach so geil zum Skaten. Es ist so geil und bequem. Als hättest du nichts an, keine Einschränkung, das finde ich geil. Ja man, Trainerhosen. Also nicht, dass ich nur in Trainerhosen skaten würde (lacht).

Lustig, ich kann nicht in Trainerhosen skaten. Andere dafür nicht in kurzen Hosen

Das kann ich auch nicht! Ich kann keine kurzen Hosen zum Skaten anziehen. Da tut’s mir schon weh – ich hab noch nicht mal nen Shinner kassiert, aber er tut mir schon weh (lacht).

Gibt es noch andere No-Goes für dich beim Skaten? Oder Dinge, die unbedingt sein müssen?

Früher konnte ich keine Muster oder so auf dem Grip haben. Mittlerweile liebe ich es. Mein Mitbewohner zum Beispiel ist Graphik-Designer, Sprayer und zeichnet schon lange und zeichnet mir manchmal Griptapes die mir unglaublich gefallen. Seit da eigentlich stört es mich nicht mehr, aber eine Zeit lang musste es einfach schwarz sein.

Was ich nicht gut kann und noch nie gut konnte ist: Gappen! Ich hasse Gappen (lacht). Nein stimmt nicht ich hasse es nicht aber ich mach’s mega ungern. Das macht was mit mir im Kopf. Kennst du das, wenn du so Tage hast, da ist’s dir scheiss egal auf die Fresse zu fliegen aber an anderen hast du einfach keine Lust umzufallen. Dann gibt’s Tage wo du dir denkst „Fuck it, ich schmeisse mich da jetzt runter!“ Diese Tage sind aber eher selten. Beim Gappen bin ich eher so „Komm ich lass es lieber.“ An einzelnen Tagen sehe ich aber den Trick sofort wenn ich vor der Treppe stehe. Eher Handrails. Rails mag ich mega, aber Gaps… ich weiss nicht recht.

Ich habe meinen Augen nicht getraut, das war so geil. Kantonspolizei hält für mich die Strasse frei

Apropos Rails: Wie war das mit der Story hinter deinem That Noise Magazine Cover?

Hey das war soo geil (lacht) das war so geil. Ich weiss nicht, ob man’s auf dem Foto sieht, aber das Rail ist in so einem Tunnel. In der Mitte geht das Rail raus und man springt voll auf die Hauptstrasse raus. Mega sketchy, eine der meistbefahrenen Strassen in Aarau. Ich stand also hinten im Tunnel und habe gewartet. Wenn du nicht schauen würdest wärst du direkt unterm Auto. Ich wartete bis sie mir vorne an der Strasse das Zeichen gaben, denn selber siehst du von hinten die Autos nicht. Durch das Tunnel sah ich plötzlich, wie Polizisten angelaufen kamen und zu Michi [Brunner], der mir jeweils das Zeichen gab liefen. Ich dachte nur „Fuck nein, jetzt werden wir gekickt. Alan [Maag] ist extra hier fürs Foto. Den Trick will ich aber jetzt werden wir gekickt.“ Und dann läuft der einte Polizist von Michi weg und Michi ruft so „ist gut ist gut, kannst kommen“ und ich nur so „hä? Ja mir ist egal, dann mach ich das jetzt“ und bin aufs Rail gesprungen und auf die Fresse geflogen. Dann schau ich die Strasse hoch und da steht einfach dieser Kantonspolizist  und hält die Autos auf. Ich habe meinen Augen nicht getraut, das war so geil. Kantonspolizei hält für mich die Strasse frei. Gute Story.

Wie bist du denn bei SKATE.CH gelandet und wie ist es da so?

Sörfi ist einfach super, Mann. Ich unterstütze ihn mehr als gerne. Ich weiss gar nicht genau wie das entstanden ist, die Story ist ein bisschen weird. Ich hoffe ich sag jetzt nichts falsches aber es bestand glaube ich ein gegenseitiges Interesse. Ich habe ihn mal besucht, eigentlich ganz ohne irgendwelche Absichten und dann ist das so entstanden. Ich bin mega happy mit seiner Unterstützung und unterstütze auch ihn gerne.

Er hat genau so positiv über dich geredet!

(lacht) das ist schön zu hören. Das freut mich sehr. Sörfi ist super. Aber auch die anderen. Fabio und Stricki sind echt gute Jungs.

Willst du noch über irgendwas reden, ranten, ragen?

Hmm, weiss nicht…

Olympia?

Ouuu. Ouuu. Wart. Ja zu Olympia will ich schon noch kurz etwas sagen. Ich denke es ist nicht schlecht um Skaten populärer zu machen und zu pushen, aber am Ende wird es nie echtes Skaten sein. Wie auch andere Contests. Aber eben, die die das machen wollen, sollen auch das machen. Das ist alles zu Olympia. Es wird denke ich einfach nie wirklich dazugehören.

Danke dir

Danke. Habe Fertig. Skateboard-Fahre isch mega cool.