DAY 1

Aadorf, den 25. Oktober, 9:00uhr.

Das Trottoir besetzt mit einem Mercedes Vito, Skateboards, die Fotoausrüstung und Rucksäcke wie auch Reisetaschen versperren den Fussgängern den Weg. Wir sind bereit für den Trip nach Milano an das Vans Shop Riot Finale. Das Team um Simon Perrottet, Jan Hirt und Noel Schärer gibt sich gerade eine kleine Morgen-Session in unserer Miniramp und wärmt sich etwas auf. Nach einem kleinen Frühstück und einem Abstecher nach St. Gallen, wo Fabio Martin dazu stösst, setzen wir die Navigationspunkte in Richtung Italien.

Nach einer kurzen, amüsanten Fahrt durch das Rheintal, erreichen wir in Chur unser erstes Ziel und den Spot vor dem Landesmuseum. Soerfi hat knapp seine Kameras in Stellung gebracht, legt Simon mit einer freshen Line vor, macht einen Mörder Kickflip über die Ledge und zeigt damit schon mal was er dieses Weekend vor hat.
Für mächtig Furore sorgen!

Noel packt einige Crooks aus und Jan lässt sich nicht hintenanstellen und haut nach einer kleinen Motivationsspritze von 120 Bucks eine quasi unmögliche Combo raus. NoComply-TailSlide-Backsideflip! Insane! Nach einem Subways Stopp verlassen wir Chur.

Die Fahrt geht weiter über den San Bernardino ins Bella Ticino. Eine kurze Kaffeepause an der Tankstelle, Fabio kauft sich eine riesige Salatgurke und Simon brennt es unter den Nägeln, die neu gebaute Raststätte gleich mit einer Line einzuweihen.

Skateboards wieder verstaut, Kaffee und Benzin aufgetankt, nehmen wir nun den letzten Abschnitt in Angriff.

Man kann die Lichter von Milano nicht bloss sehen, man riecht sie auch. Der typische Big City Smell schleicht durch die Klimaanlage…benvenuto in Italia! Nach einer kurzen Odyssee durch die Stadt bis zum richtigen Parkhaus, liessen wir uns noch in einer Pizza uns einem Bier hinreissen, bevor wir dann müde in den Hotelbetten versanken.

Day 2

Heute steht der grosse Bastard-Bowl Contest an im Bastard Skatestore Milano. Eine quasi hängende Bowl in mitten des Shops erwartet uns. Den Mittag und Nachmittag verbrachten wir mit der Suche nach einigen Spots und einem guten italienischen Essen. Beides war nicht einfach zu finden.

Auf der Piazza vor dem Duomo di Milano haben wir die Skateboards für knappe 3 Minuten auf die Wheels gelegt. Schon riefen wir dadurch drei Carabinieri in zivil auf den Plan, welche uns erheblich an unserem Vorhaben hindern wollen hier einige Lines von den Jungs zu filmen. Also dann, auf geht’s zum Bus und retour in Richtung Hotel zum Riders Meeting. Bevor es nun in Richtung Bastardshop geht, machen sämtliche Skater der 15 Teams aus ganz Europa einen Zwischenstopp an den «beige Blocks» vor dem grossen Bahnhof Milano Centrale. Einer der besten «natürlichen» Street Spots in Europa und täglich geskatet wird. Jan, Noel und Simon legen eine sesh mit Dudes wie Sam Partaix, Victor Pellegrin und Jacopo Carozzi auf den Asphalt.

Ein cooles Bild, wenn mitten in einer Grossstadt wie Milano, 70 Jungs auf ihren Skateboards durch den abendlichen Stossverkehr pushen in die Verkehrsregeln auf ihre Bedürfnisse und zu ihren Gunsten auslegen.

Im Bastard Store angekommen, erblicken wir zwischen diversen Fingerfood Buffets, Bier- und Weintischen…die «hängende Bowl» von Milano.

Die Szenerie, gespickt mit guter Musik von DJ und Skatelegende John Cardiel, hinterlässt einen bleibenden Eindruck in Kopf und Herz. Ein bisschen Finger Food essen und ein kühles Moretti in der Hand und alle sind ready für den Contest.

Fabio Martin zeigte all seine Skills, sein breites Repertoire an Tricks mit seinen Airs und fs feebles lässt die Croud mit offener Futter Lucke staunend am Coping hängen. Ein Abräumer schlecht hin unser Tintin und holt sich 250€ ab. Nach dem letzten Pizzastopp für heute und einer kurzen Irrfahrt durch das verregnete Milano, fallen in die Betten. What a day!

Day 3

Tag 3 des Vans Shop Riot Trip to Milano wartet auf uns. Alle früh aus den Betten, um genügend Zeit für das Frühstück zu haben. Wir verzichten auf den Shuttlebus und fahren mit unsre Mercedes Kutsche zum Pinbowl Skatepark etwas ausserhalb der Stadt. Angekommen und parkiert, stellen wir fest, dass wir wohl etwas zu schnell unterwegs waren, da der Park noch zu ist. Also klettern wir über die Mauer und schauen uns mal auf dem Gelände um. Schnell den Eingang entdeckt, profitieren unsere Jungs davon, dass sie den Park für sich allein haben. Dieser Augenblick nutzt Soerfi, um nochmals ein paar Shots zu machen von unserem Team. Simon packt alles aus was er hat und bereitet mit seinen «switch heels» den anwesenden Fotographen, mächtig Freude.

Das Haus füllt sich langsam. Die anderen Teams sind eingetroffen und sofort ist Platz zu Mangelware verkommen. Das Park Set-up ist cool und die Jungs feiern es. Eine kurze Verpflegungsrunde mit Vans-Waffeln, Sandwiches und Burger soll nochmals etwas Power geben bevor es in die Qualis geht. Auf ins Warm-up in einen leicht überfüllten Skatepark! Zweimal gezwinkert und schon passierts. Fabio wird im Flat von einem Dude der Italian-connection umgenietet und verdreht sich heftig das Knie, hinkt aus dem Park raus und wir anderen hinterher. Nicht schon wieder. Zeitweise hat Tintin echt Pech. Die Beine hochgelagert auf einem Sofa, kommt auch schon die Sanität um die Ecke mit Notarzt und einer Trage. Nach einer kurzen Abklärung und einem kleinen Intermezzo auf Italienisch-englisch-deutsch, ist eine Verständigung nun möglich und zur allgemeinen Beruhigung ist das Knie nicht so arg in Mitleidenschaft gezogen worden wie zunächst befürchtet.

Die Quali läuft….

Die Runden vor dem Finale zeigten, dass jedes Team hungrig nach dem Sieg ist. Black Sheep (UK), das aufgrund einer Verletzung am Vorabend einen Skater weniger am Start hat, ruft den italienischen Ripper Jacopo Carozzi auf den Plan, der in unvergleichlicher Weise sein Heimpublikum mit einem Ansturm unvergesslicher Tricks begeistert. Unser Qualirun läuft, gut und solide jedoch wissen wir, dass hier noch mehr drin ist oder gewesen wäre. Die übliche Wartezeit während den Auswertungen und dem Entscheid wer ins Semi-final kommt, zieht sich ewig und kommt uns wie eine Ewigkeit vor. Platz genommen in unserem Teambus, lässt sich eine gewisse Enttäuschung über den teilweise verpatzten Quali-Run nicht verbergen und wir beginnen bereits gedanklich die Koffer zu packen. Heads are down!

Noel und Simeon gehen kurz nochmals in die Halle für ein paar Sandwiches und bekommen in diesem Moment das listing der Teams mit, welche qualifiziert sind. Der letzte Name ist SKATE.CH. Beide fassen es kaum, holen schnellstens das Team wieder aus dem Bus…»go heat and rip the shit» ist nun das Motto.

Drei, vier Mal die Augen gerieben und realisiert was nun kommt. Wir strecken alle kurz die Köpfe zusammen und die Jungs überlegen sich nochmals, was Sie in den nächsten, allesentscheidenden Run einbauen wollen, um die Judges so richtig vom Sitz zu reissen. Los geht’s. Simon, Jan und Noel pushen zusammen los, wollen zusätzlich mit dem «Team Spirit» punkten und legen eine Line in den Park die komplett überzeugt.  Viele Grinds und Flips, unsere Jungs sind in einem Rush und es scheint alles zu gelingen was sie sich vorgenommen haben.

Nach dieser heftig geführten Schlacht qualifizieren wir uns als Erste fürs Finale.

Burnside (NL), Gilis (IL), Traektoria (RU) werden uns die 5.000 Euro und den begehrten Vans Shop Riot Champions Titel jedoch nicht kampflos überlassen.

Das Final läuft…

Die Ambitionen der qualifizierten Teams sind deutlich zu spüren und zu sehen. Jeder will hier etwas reissen. Gilis zu beobachten ist eine wahre Freude, da alle Skater aussehen, als hätten sie einen riesen Spaß. Doron Arad zeigt seine Ideenvielfalt indem er auf ein nahegelegenes Vordach klettert, bevor er in die Quarter droppt. Das Team aus Russland, Traektoria unteranderen mit Maksim Kruglov, skatet schon den ganzen Tag mit unglaublicher Konstanz, das änderte sich auch jetzt im Finale nicht.

Unser Final-Run startet.

Soerfi und Simeon am Rande gut platziert mit Kamera und Handy bereit, sind unsere Jungs nun im Park und geben mächtig Stoff. Einen kurzen Moment lang kommen sie etwas aus dem Konzept, sind aber top motiviert, hier ihr Bestes zu geben. Das Publikum zieht mit, die Jungs geben noch mehr Gas und nehmen den Park auseinander. Ohne eine Sekunde zum Verschnaufen, zeigt unser Team den italienischen Skateboard Enthusiasten, was wir Schweizer so skatemässig draufhaben. Simon’s switch heels, Noel mit seinen 360Flips und Jan       Die Run-Time ist um und die Ränge toben, ein nahezu perfekter Final-Run.

Das Set gehört den Holländern.

Alle Shop-Teams zeigten ihr Bestes, nahmen den Pinbowl Skatepark auseinander, aber am Ende brachte Burnside die 5000 Euro (plus 2000 Euro für den besten Schnitt) zurück nach Deventer, Holland. Rob Maatman, mit perfektem «nollie frontside feeble» und seine Teamkollegen Bert Roeterdink und Ewoud Breukink waren unaufhaltsam!

Nach einer harten, wilden Best-trick Session, bei der plötzlich wie aus dem nichts Victor «Doobie» Pellegrin auftauchte und mit einem «merl to backside 50-50» die Zuschauer im ganzen Park toben lies, startet die Siegerehrung.

Unser Team mit Noel, Simon, Jan und Fabio holt sich den dritten Platz und damit 2000€ Prämie. Ein großartiges Gefühl für das ganze Team von SKATE.CH und definitiv eine Ehre unter den besten 15 Teams von Europa, eine solch gute Platzierung rauszuholen.

Die Korken knallen, nice Sound, der Speaker läuft heiss, die Stimmung kocht und der Erfolg wird mit Kuchen und Champagner gefeiert. WELL DONE DUDES!

Wir alle sind im Hoch, geflashed von den letzten Stunden und dass wir trotz eher düsteren Aussichten zwischenzeitlich, mit dem Unfall von Fabio und dem etwas verpatzten Quali-Run, nun mit dem 3. Platz dastehen…der sich wie ein Sieg anfühlt.

So, it’s Pizza time.

Wir fahren zurück in die Stadt, um was zu essen und auf den Erfolg anzustossen. In einem kleinen mexikanischen Restaurant finden wir Platz und ein paar Margarithas. Umgehend beeinflussen wir das Stimmungsbarometer in der Bude. Nicht nur dass Fabio lautstark keinen Beanshit wollte und Simon beim Probieren der «Salsa Piccante» Nasenbluten bekam trieb uns die Tränen vor Lachen ins Gesicht, es war auch der Chef des Hauses der mächtig Freude hatte an uns und seine Spässe machte.

Zurück im Hostel, gönnen wir uns noch ein, zwei Aperol-Spritz, geniessen die ausgelassene Stimmung in der Lobby, welche anhand der vielen wie das Ausgangsmekka von Milano scheint und gehen dann müde und zufrieden in die Betten. Buona Notte a tutti.

Day 4

Um halb 7 aufgewacht, mache ich mich auf den Weg in Lobby. Wie ein Zombie sucht man sich den Kaffee, welcher einem einigermassen zurück auf die Schiene bringen sollte. Endlich realisiere ich den innerlichen Frühapell und die Zeitumstellung, die auf heute durchgeführt wurde. Also viel zu früh wach! Simon ist auch schon auf den Beinen da er mit dem Zug nach Genf zurückfahren wird und sich so einigen Stunden Reisezeit in unserem äusserst komfortablen Team-Bus sparen wird. Beim letzten Frühstück sitzen wir nochmals alle zusammen. War eine coole Zeit hier im Süden und der Teamspirit ist spürbar.

Die Zimmer sind geräumt, wir haben ausgecheckt und Simon verabschiedet, lasst uns nach Hause fahren. Soerfi öffnet unsere Transport Kutsche, ein bisschen Tetris und schon hat jedes Gepäckstück seinen Platz gefunden. Auf dem Fahrersitz liegt ein fremder Regenschirm und wir fragen uns wie das Teil in unser Auto gekommen ist.

Als wir die kleine, eingeschlagene Fensterscheibe bei der Fahrertüre sehen, wird einiges klar. Wollte tatsächlich jemand einbrachen?! Schnell und provisorisch mit einem T-Shirt gestopft und etwas Tape aussenrum damit die ganze Sache hält, machen wir uns dann endlich auf den Weg zurück nach Hause.

Lange Autobahnabschnitte, ein verregnets Tessin und kurvige, verschneite Passstrassen führen uns zurück in die Schweiz. Die Verabschiedung ist herzlich, wenn auch etwas erschöpft von den 4 Tagen skateboarden und unterwegs sein. Der Teamspirit ist gewachsen, die Jungs sind stolz für das Erreichen des dritten Platzes und die Freude an der gemeinsamen Zeit und dem Erlebten ist spürbar.
Wir sind gespannt auf unseren nächsten Trip ins irgendwo….